Samstag, 8. Mai 2010

Das Boxhorn, das mich jagte

Eine Revision, eine gehörige: Nach exakt einer Woche Zusammeleben in diesem Babel'schen Hause nur soviel: das inbrünstige Pochen an vierzehn Türen hat saftige, tropfende Früchte getragen. Denn bereits einen Tag nach meiner verzweifelten Ankündigung, mich einer deutschen Trinkgemeinschaft anzuschließen, pochte es mindestens genauso wild gegen meine Tür. Ein fünf-sprachiges Kennenlernen in der Kneipe um die Ecke später war bereits klar: das wird, und zwar richtig. Sofern täglichen Spanischunterricht von einer herzallerliebsten Mitbewohnerin und ihren wunderbaren spanischen Freunden während der Mittagspause, eine polnische Ich-bin-der-fleischgewordene-Durazellhase-Mitbewohnerin, die keine Sekunde in diesem Treiben verpassen will und mit der man selbstvergessen schreiend auf dem ersten Festival des Jahres durch den Regen springen kann. Die zwei liebreizendsten französischen Mitbewohnerinnen, die tatsächlich jeden Morgen für Croissants und Pains-au-Chocolat sorgen, einen Marokkaner, den ich gern täglich einmal fest in den Arm nehmen möchte. Ferner eine Deutsche, die mir täglich durch Singen, Hüpfen und Grinsen den Tag versüßt und eine hohenhausener Modedesignerin, die gern seufzend bei einer Tasse Kaffee Londoner Luftschlösser mit mir bastelt.
In drei Minuten: kompletter WG-Ausflug in die Freilichtoper auf dem Grote Markt, Don Quijote. Nach fünfsprachiger Hutmacherkonsulatsbesichtigung heute freue ich mich jetzt herzlich auf noch mehr Bienenstock.
Egal, welche dümmlichen Empfänge und Gespräche zum Thema Hutmacherei in Hohenhausen vielleicht täglich stattfinden (an denen ich mich nur nicht mehr ganz so rege beteiligen werde): am Ende steht doch immer wieder dieses Haus, unser Haus, et c'est déja assez.

1 Kommentar:

  1. Herrlich, gute Frau, mein Herzlein pocht, zu lesen, dass es ihnen gut geht. Was die Reisbauern aus der Südregion angeht, bin ich skeptisch. Viele von ihnen können nicht lesen, noch schreiben. Gegen Hilfe von außen sind sie gern resistent. Sie, meine Liebe, scheinen mit dieser Spezies mehr Glück zu haben!

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