Am Dienstag war ich auf einem niederbayrischen Dorffest. Zum traditionellen Maibaumsetzen. Es gab lecker Brezeln, Kartoffelsalat, Weißwurscht und Weißbier, eine Blasmusikkapelle und jede Menge Menschen in Lederhosen bzw. Dirndl. Ganz recht, ich befinde mich immer noch in Hohenhausen. Sogar mitten in der Hutmachergilde. Dort finden scheinbar täglich Veranstaltungen dieser Art statt. Das braucht man hier, denn: wir sind zwar Kosmopoliten und wollen die ganze Welt mit unseren innovativen, nachhaltigen Kopfschmuck-Kreationen verbessern. Dazu muss natürlich international an der gleichen Hutschnur gezogen werden. Aber eigentlich...ja eigentlich ist man doch am liebsten für sich. Spricht am liebsten die eigene Sprache, isst und trinkt nur, was man kennt und verkehrt prinzipiell nur mit seinesgleichen. Auf nationaler Ebene ist so ein Verhalten vielleicht fast schon vorhersehbar. Aber, dass bis ins einzelne Bundesland, mehr noch: bis in jede einzeln vertretene Region vordringt, beunruhigt doch ein wenig. Am Ende schaut doch jeder nur, dass er den in Hohenhausen kreierten Hut in der Heimatregion gut vermarkten kann.
Leider eine Eigenheit, die sich durch alle Ebenen und Hierarchien zieht. Jeden Donnerstag nach der Arbeit treffen sich alle willigen Mitarbeiter der Gilde auf dem großen Hutmacherplatz zum Saufen. Ein schönes Bild eigentlich: Bei Wind und Wetter tausende lachende Menschen. Jedoch: feinst sortiert. So fand ich mich (seltsamerweise) bereits nach wenigen Minuten in einer Gruppe wieder, die, von mir abgesehen, ausnahmslos aus Hamburg stammte.
Nach anderthalb Wochen muss ich gestehen: Kommende Woche werde ich zu einem deutschen Stammtisch gehen. Nicht, dass die deutschen Hüte die besten wären, gar, dass ich sie vermisst hätte. Ich bin ja doch gern vor den heimischen Hutträgern geflüchtet. Nur: die anderen scheinen mich wirklich nicht zu wollen. Eine WG mit 15 Leuten (herrliche Wohnung übrigens, mein Zimmer auch fast einen halben qm größer als erwartet!) aus aller Herren Länder. Aber: die einzige, die heute bereit war, mit mir zu plauschen, war eine Deutsche. Von einem Franzosen und einem Italiener kamen gleich bittere Abfuhren. Das soll natürlich nicht zur Kapitulation verleiten. Morgen wird der gleiche Versuch mit einer Flasche Wein in der Hand gestartet. Und vielleicht mische ich ab übernächster Woche die französischen und italienischen Stammtische auf.
Dennoch: Weltoffenheit, Akzeptanz, Integration... sieht anders aus als in der multikulturellen Hauptstadt unseres Kontinents.
Schön den Hut steif halten meine Liebe, das wird! Und ferner kann ich mir gar nicht vorstellen, dass die italienischen Hutmacher so unkommunikativ sind, haben sie doch fast immer noch einen Grappa im Zylinder versteckt...aber wenn sie das natürlich sagen, wie schade. Ich wiederhole: Lassen sie sich nicht die Hutkrempe verbiegen!
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