Donnerstag, 9. September 2010

The dark Roman wine in my bloodstream

Der sorgt für Wärme und Behaglichkeit, für gerötete Wangen, ein bisschen für Zufriedenheit. Jetzt gerade auch für Kraft, für ganz viel Gewissheit um die Möglichkeiten.
Denn beim Zusammensitzen mit den drei verbleibenden lieben Menschen wird gerade klar: Die Entscheidungskompetenz liegt doch mehr bei jedem Einzelnen als man (spezieller: ich) so manches Mal wahrhaben möchte. Sicher, da muss man differenzieren, eingrenzen. Es gibt die böse Genetik, die (von mir gern als Totschlagargument missbraucht und momentan ja gerade in aller Munde) Stärke und Schwäche nicht immer ganz gerecht verteilt. Und es gibt das Leben, das Schicksal oder wie man Glück und Leid sonst zusammenfassen mag.
Und dann gibt es aber die Möglichkeit, die gibt es für jeden. Die bleibt einem lange erhalten, kommt zu verschiedenen Zeitpunkten im Leben immer mal wieder. In unterschiedlicher Ausprägung, manchmal gar nur als schlechter Witz. Aber bis sie ganz fern bleibt, da muss der Betreffende ihr schon ordentlich vor die Füße spucken, zimperlich ist sie nämlich ganz bestimmt nicht.
So haben - beim Lunzen um den kleinen Tisch herum - wir alle vier sogar mehrere Möglichkeiten. Sie sind nicht bei jedem gleich verteilt, aber keiner geht leer aus. Umso mehr verärgert es mich, wenn einer die Möglichkeit ignoriert, die da laut an die Zimmertüre pocht. Aus Feigheit, aus Schwäche, aus Scheiße (der Rotwein erhitzt nicht nur die Wangen, sondern auch das Gemüt).

For the self, for the heat, for no reason.

Veränderung ist gut, meistens jedenfalls. Stagnation ist zumindest immer und prinzipiell schlecht. Und wenn sie mit Unvernunft und Leichtsinn einhergeht, dann nützen auch gute Freunde nichts mehr. Kein "du sollst", nur noch "du musst" vom Kreise der Freunde. Ein müdes Nicken, den Fatalismus mit Löffeln gefressen.
Stets Bewunderung, stilles Glück um das Kennen der Freundin empfunden. Das bleibt auch, ist schon als Konstante gespeichert. In den letzten Tagen und Wochen aber immer mehr auch: Sorge, Angst und Ärger für die Betreffende. Wann gibt es denn ein tatsächliches Zu-Spät? Ist da ein greifbarer Zeitpunkt, eine Lebensphase, im konkreten Fall gar ein organischer Zustand, der das Urteil fällt? Kann das Leben dann für einen entscheiden, den Betreffenden entmündigen?

I can't help but thinking that the day hasn't shown all his cards.

Vorgeworfen wird mir kindliche Naivität, wenn ich alle Urteile bestreite und an der Möglichkeit der Möglichkeit festhalte. Auch das eigene Glück wird mir vor Augen geführt: "That's why I admire you. In the end you always get what you want." In the end, aha.

So glaube ich doch tatsächlich, dass nichts vorbei ist, solange das Herz noch schlägt und der Kopf noch arbeitet. Schwerer wird es, ganz sicher. Und der Möglichkeitenkatalog kann ganz schnell auf Menü A oder B zusammenschrumpfen. Dann besteht aber immer noch die Möglichkeit. Zur Entscheidung.

Picking out all the stars that we like.

Ein Kuss auf die Stirn. „Der Wind steht gut, es ist nicht zu spät.“ Traurig gehe ich zu Bett; es ist zumindest so spät, dass wir lange in die ganz schön schwarze Nacht hinausgeschaut haben. Danke für die Stunden. Für jeden Moment zusammen. Möchte ich sagen, traue mich aber nicht. Denn das zeigt ja doch wieder, wie spät es schon ist. „Let’s not retrace any of it.“ Sage ich stattdessen. In der Gewissheit um den festen, unverwüstlichen Platz, den dieser besondere Mensch in meinem Leben hat und haben wird. In zwei Wochen wird die gemeinsame Zeit, das stete Beieinander jäh beendet. Ganz genau schaue ich mir ihr Gesicht in diesen Tagen an: diese manchmal ziemlich dreiste Fratze, die fremde Männer nachts auf der Straße anschreit, diese riesigen, eigentlich verdammt alten Augen, die trotz des Gesehenen seit dreißig Jahren Kinderaugen sind.

You smile as you pass me that night. As if it were too fragile to hold.

Meine liebe gute Mutter sagte früher immer, das Leben passiere eben manchmal einfach, da könne man dann gar nichts dagegen machen. Ja, liebe Maman, aber das Leben muss man sich nicht immer gefallen lassen. Die Möglichkeit, die kommt am Ende doch. Für jeden. „You know, you don’t have to die from a heart attack if you don’t want to.“ Das erscheint mir gerade als der intelligenteste Satz der letzten Monate.

3 Kommentare:

  1. "It is our choices that show what we truly are, far more than our abilities." (J.K.R.)

    Die Angst vor Veränderungen ist doch oft auch der Damm für Entscheidungen. Der Trick ist die benötigte Sicherheit immer im Herzen mit sich zu tragen..., Gewissheit, dass es genau das Richtige ist, gerade allein irgendwo in der Welt zu stehen, aber dass es auch diesen eien Ort gibt, der einer Höhle im Baum gleicht, die kein anderer kennt. Bewacht von grimmigen Gestalten!

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  2. Eine schöne Analogie mit dem Baum eigentlich. Verstehen tu ich sie aber nicht. "Grimmige Gestalten" seid ihr nicht, bin ich auch nicht. Warum nicht das schöne (deutsche) Bild von Herd und Heim?

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  3. ich leb halt in meiner parallelwelt..., herd und heim ist auch sehr schön!

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